Waldemar Otto

1929

Am 30. März 1929 wird Waldemar Otto als fünftes von sechs Kindern eines lutherischen Pfarrers in Petrikau/Polen geboren. Er wächst in Lodz und Kolo auf. 1939, nach der Besetzung Polens, gerät die Familie unter den Druck der Nationalsozialisten. Als 15jähriger wird Otto zum Volkssturm eingezogen, 1945 flieht die Familie nach Halle/Saale.

1948

In den Francke’schen Stiftungen in Halle legt er das Abitur ab. Über die Schwestern, die die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein besuchen, und seinen Schwager Eberhard Ruhmer, der Kustos am Museum Moritzburg ist, hat er Zugang zu den dortigen Sammlungen und erlebt teilweise mit, wie die Bilder und Plastiken der als "entartet" verfemten Expressionisten aus ihren Verstecken geholt werden.

Gleich nach dem Schulabschluß beginnt er an der Hochschule für bildende Künste in Berlin mit dem Studium der Bildhauerei. Sein Lehrer wird Albiker-Schüler Alexander Gonda, neben dem Seitz, Grzimek und Scheibe unterrichten

1952-54

ist Otto Meisterschüler Alexander Gondas, der sich selbst nun ganz der Abstraktion zuwendet, seinem Schüler das gegenständliche Arbeiten jedoch nicht verwehrt. 1953 beteiligt sich Otto an der Exposition Internationale des Beaux Arts in Mailand. 1954 nimmt er mit der "Berliner Neuen Gruppe", der u.a. Hartung, Heiliger, Hofer und Pechstein angehören, an einer Ausstellung in Baden-Baden teil.

1954/55

erhält Otto ein Stipendium des DAAD für ein Studienjahr in Florenz. Die klassische italienische Kunst erlebt er eher distanziert; ihm wird klar, daß die Kategorien des Unfertigen und Spröden seinen Weg bestimmen werden.

1955

Beginn der freischaffenden Tätigkeit in Berlin. Otto nimmt an Gruppenausstellungen in Düsseldorf und Florenz teil, und im selben Jahr wird ihm der Preis der "Karl-Hofer-Stiftung" verliehen. Auch in den folgenden Jahren wird er ausgezeichnet: 1957 mit dem Preis der "Großen Berliner Kunstausstellung", 1958 ist er während des Portraitwettbewerbs der "Freunde der Bildenden Künste" erfolgreich, und 1960 erhält er schließlich den Berliner Kunstpreis "Junge Generation".

1961

Die ersten Torsi entstehen. Mit ihnen setzt das von Otto als gültig anerkannte Oeuvre ein.

1963-65

ist er Artist in Residence an der University of Notre Dame in Indiana/USA. Er leitet eine Meisterklasse, widmet sich jedoch auch der freien Arbeit.

1965-72

lebt er wieder freischaffend in Berlin. 1969 setzt er mit der "Figur aus ihrer Vorprägung heraustretend" eine neue Werkphase ein, die die Torsi der 60er Jahre ablöst: Die menschliche Figur wird mit Wand, Kasten oder Gitter kombiniert.

1973

Nach einer kurzen Zeit als wissenschaftlicher Angestellter an der Architekturfakultät der TU Braunschweig erhält Waldemar Otto einen Ruf als Professor an die Hochschule für Künste in Bremen. Er wird Nachfolger Gerhard Schreiters. Sein Berliner Atelier behält er vorerst bei. Er macht die Bekanntschaft Worpswedes und logiert für vier Monate im Atelierhaus Worpswede.

1976

Otto läßt sich in Worpswede nieder. Drei Jahre lang wohnt er im Barkenhoff, dem einstigen Wohnsitz Heinrich Vogelers. 1979 baut er am Rande des Dorfes ein eigenes großes Atelier mit Wohnhaus. Zwischenzeitlich hat sich Bremen zu einem Zentrum realistischer Plastik entwickelt. Seinen Ausdruck findet das in zwei großen Ausstellungen, die, 1978 und 1979 in den Bremer Wallanlagen veranstaltet, von Otto wesentlich mitkonzipiert wurden. Ihnen verdankt sich auch der dreimal vergebene Bremer Bildhauerpreis: 1980 an Hrdlicka, 1982 an Cremer und 1984 an Grzimek.

1981

ist Otto Ehrengast der Villa Massimo in Rom, wo er 1985/86 weitere Arbeitsaufenthalte verbringt.

1984

setzt die Arbeit an den "Sockeltorsen" ein. Mit ihnen entwickelt er Formprinzipien, aus denen sich ab 1986 mit den Aphroditen, Bacchantengruppen, Bacchussen und Hephaistosfiguren weitere mythologische Zyklen ableiten.

aus: Waldemar Otto, Skulpturen (Entwürfe und kleine Formate), Galerie Chor-Zirus 1990.

 

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