Architektur studieren in Dublin

von Gustaf Mossakowski, gustaf@koenige.org

Gasthochschule:
Dublin Institute of Technology (DIT)
Wo findet sich dieses Dokument:
http://www.koenige.org/2000/dit/bericht.html
Fachrichtung an der RWTH Aachen:
Architektur
Fachrichtung im Gastland (Bezeichung):
Architecture
Semesterstand zu Beginn des Auslandsstudiums:
6
Dauer des Aufenthalts an der Gasthochschule:
von September 1999 bis August 2000

Unterbringung im Gastland | Fremdsprachenkenntnis vor und nach dem Auslandsaufenthalt | Leben an der Gasthochschule | Studienvorhaben an der Gasthochschule | Erfahrung mit anderen Lernmethoden | Auswirkungen hinsichtlich der Kenntnisse und Einstellung gegenüber dem Gastland | Betreuung durch die Gasthochschule | Studienerfolg | Betreuung durch die Heimathochschule | Praktische Hinweise


Unterbringung im Gastland

39 NCR

Ich habe in einem Haus mit fünf weiteren Mietern gewohnt. Die Zimmer wurden vom Vermieter (Landlord) einzeln vermietet, Küche, Bad und Wohnzimmer gemeinsam genutzt. Die anderen Bewohner waren vorwiegend Iren, teilweise auch zwei in einem Zimmer. Die wöchentliche Miete betrug 80 irische £, das entspricht ca. 860 Mark im Monat (alles inclusive, aber es gab keine Heizung, nur in den Zimmern Gasbrenner und Kamine).

Wohnraum ist allgemein sehr teuer, da Irland (insbesondere Dublin) zur Zeit in Europa die am stärksten wachsende Wirtschaftskraft hat. Es gibt aber auch billigere Angebote. Eigene Wohnungen kosten ab 1.300 Mark.

Das DIT hat bisher als einzige der grossen Dubliner Hochschulen keine Studentenwohnheimplätze. Es existieren Adressenlisten der Hochschule, die mehrmals herauskommen (Ende August), aber kurz nach Erscheinen schon abgegrast sind. Besser ist es, die Abendzeitung, den »Evening Herald« zu kaufen, dort gibt es täglich Wohnungsanzeigen. Diese Zeitung erscheint um 11.30 vormittags, Eile ist angesagt, sonst sind alle Angebote schon wieder vergeben. Express Accomodation ist eine Agentur, die einem auf jeden Fall eine Wohnung vermittelt, das kostet aber ca. 100 Mark einmalig, dafür muss man danach nur noch Listen durchgehen und die organisieren einem dann Besichtigungstermine. Es gibt auch Wohnungsanzeigen im Internet, z. B. unter http://www.daft.ie/ ->Accomodation Sharing.

Wohnungstypen:

  1. Digs - Wohnen bei einer Familie, fünf oder sieben Tage die Woche (wobei fünf bedeutet, dass man am Wochenende nach Hause müsste, also ungeeignet für Austauschstudenten)
  2. Share a Room - gemeinsames Schlafzimmer mit jemandem anderen, dazu noch Küche, Bad etc.
  3. Share a House - das habe ich gemacht, da werden alle Zimmer einzeln vermietet und man nutzt Küche, Bad, Wohnzimmer gemeinsam
  4. Share an Appartment - Wohngemeinschaft wie bei uns WG
  5. Bedsit - Bedroom und Sittingroom in einem. Badezimmer auf dem Flur
  6. Studio - Bedroom und Sittingroom (= Wohnzimmer) in einem. Bad inclusive.
  7. One Bedroom Apartment - das ist eine Wohnung. Wohnungen werden nicht in qm sondern Schlafzimmern gemessen. Dabei ist dann immer ein Wohnzimmer und eine Küche

Fast alle Wohnungen sind möbliert = fully furnished (Bett, Küche, Bad, Schrank, Stuhl, evtl. Tisch). Abkürzungen in Anzeigen: "all mod cons" heisst "All Modern Conveniences", d. h. Kühlschrank, TV, Mikrowelle etc. "gfch" bedeutet gas fired central heating. Vertrag abschliessen ist besser, Minimum ist aber ein Rentbook (gesetzlich erforderlich)! Miete wird meistens wöchentlich bar bezahlt.

Hier noch Infos der DIT Students Union zu Accomodation: http://www.ditsu.ie/welfare1.html

Fremdsprachenkenntnisse vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich bereits einige Monate in Kanada gelebt hatte, waren meine Englischkenntnisse vor dem Aufenthalt nicht allzu schlecht. Vor allem das Fachvokabular hat sich bei mir stark verbessert. Für Leute, die nicht gut Englisch sprechen, gibt es Sprachkurse der Hochschule.

39 O'Connel Street (Main Street in Dublin) Dame Street River Liffey

Leben an der Gasthochschule

Sport steht sehr im Vordergrund, das DIT hat allerdings noch keine eigenen Sportplätze. Es gibt verschiedene "Clubs & Societies", z. B. für Photographie, Bergsteigen, Rugby, Theater etc.

Das Durchschnittsalter am DIT ist deutlich niedriger als in Deutschland. Im Alter von 17/18 legen die Iren ihr "Leaving Certificate" (Abitur) ab und beginnen häufig direkt mit einem Studium, dass meistens auch kürzer als in Deutschland dauert. Ich war im "Fourth Year", die jüngsten waren 20, die ältesten Mitte/Ende 20. Man lernt schnell die anderen Architekturstudenten kennen, da jedes Jahr einen eigenen Raum hat, das Studio. Die Bibliothek am DIT ist zwar nicht so umfangreich wie die Aachener Bibliotheken, dafür zugänglicher und auch ein netter Aufenthaltsort.

Ausserhalb der Hochschule ist es auch kein Problem, Leute kennenzulernen, da die Iren sehr gesellig sind. Es mag allerdings Probleme mit Alkohol-Abstinenzlern geben.

Kulturelle Möglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle. Z. B. sehr gute Theater, Museen kostenlos etc.

Man sollte auf jeden Fall ins Land fahren.

Studienvorhaben an der Gasthochschule

DIT Bolton Street DIT: Studio Arch 4th year DIT: Crit Arch 4th year

Ich habe das komplette vierte Jahr absolviert. Dies bestand aus vier Entwürfen, für deren Bearbeitung je ca. sechs Wochen zur Verfügung stand (House and Office for an Architect, Barrow Street Train Station, Art Gallery Bray, Centre for Experimental Music in Malin Head). Die Entwürfe sind in klare Arbeitsabschnitte gegliedert, jeden Dienstag war eine Art Kolloquium. Die Abschnitte waren z. B. Site/Brief Analysis, Preliminary Design, Sketch Design, Developed Design, Design Technology. Am Ende des Jahres besteht im Mai die Möglichkeit, die abgegebenen Entwürfe nocheinmal zu überarbeiten. Einer der Entwürfe im vierten Jahr ist das "Travelling Scholarship". Dies ist ein Wettbewerb des Royal Institute of Irish Architects (RIAI) und wird zwischen allen drei irischen Architekturschulen (DIT, University College Dublin, Queens University Belfast) durchgeführt.

Folgende Fächer wurden im 4. Jahr unterrrichtet:

Es gibt zwei Wochen Weihnachtsferien und zwei Wochen Osterferien. Im Mai sind Prüfungen, bis Ende Mai können die Entwürfe noch überarbeitet werden. Man muss recht schnell entwerfen.

Einschreibung: Das Studienjahr beginnt Mitte September (so um den 20. herum), man sollte vorher schon dahin fahren, um eine Wohnung zu suchen. In der ersten Studienwoche passiert nicht viel. Bis Mitte Oktober muss man sich registriert haben (das wäre so etwa gleich Einschreibung).

Erfahrungen mit anderen Lehrmethoden

Die Betreuungsfrequenz war besser als in Aachen, auch die Einstellung der Mitarbeiter gegenüber den Studenten. Allerdings gibt es Probleme, gutes Personal zu finden, da die irische Wirtschaft (auch die Bauwirtschaft) immer noch boomt. Das Studium ist sehr verschult. Es gibt keine Wahlmöglichkeiten. Erasmusstudenten dürfen jedoch aus allen Kursen der ersten vier Jahre ihren Stundenplan zusammenstellen. Design Technology ragte aus dem Einerlei heraus. Dieses Fach verstand es, Theorie und Praxis zu verbinden, etwas, das in Aachen in der Baukonstruktion im Grundstudium völlig unbekannt ist.

Die CAD-Ausbildung beschränkt sich auf AutoCAD. Es ist möglich, in der Hochschule zu plotten.

Auswirkungen hinsichtlich der Kenntnisse und Einstellung gegenüber dem Gastland

Ich kannte Irland vorher nicht. Jetzt kenne ich es recht gut. Ich war gerne in Irland und werde bestimmt auch wiederkommen. Irland ist in vielerlei Hinsicht auf einem anderen Standard als Deutschland. Die Gastfreundschaft der Iren ist außerordentlich groß.

Betreuung durch die Gasthochschule

Bolton Street

Der Sokratesbauftragte der School of Architecture ist keine große Hilfe. Die Lecturers waren unterschiedlich freundlich und kompetent, aber immer entgegenkommend. Das Klima insgesamt war sehr produktiv. Es gab keine studentischen Tutoren.

Studienerfolg

Das Auslandsstudium war in persönlicher Hinsicht sehr lohnenswert, im Hinblick auf das Studium etwas weniger, da ich nicht alle gesetzten Ziele erreicht habe. Das Niveau erscheint mir niedriger als in Aachen. Die Ansprüche an die Studenten sind geringer (kürzere Projekte = geringere Bearbeitungstiefe, Abgabemodelle sind nicht Pflicht).

Betreuung durch die Heimathochschule

Die Vorab-Organisation hat geklappt, Geld habe ich auch bekommen. Leider konnte unsere Studienberaterin mir nicht sagen, welche Fächer und Entwürfe ich möglicherweise anerkannt bekommen kann. Dies ist ein Nachteil gegenüber Studenten anderer Länder. Irische Studenten in Deutschland z. B. müssen zwar am Curriculum mit Erfolg teilnehmen, brauchen aber nicht an den Prüfungen teilzunehmen. Trotzdem kommen sie ein Jahr weiter. Ähnlich ist es bei den Franzosen.

Praktische Hinweise

Reisen

Mit Zug Aachen - Charleroi, kostet ca. 25 Mark, dauert zwei Stunden. Fliegen mit Ryanair von Charleroi nach Dublin, kostet zwischen 50 und 250 Mark (beides Rückflugticket, ist fast immer billiger als Einzelticket!), je nach Angeboten. http://www.ryanair.com/ (1h 30 min pro Flug). Gesamtdauer: ca. fünf Stunden. Alles andere (andere Fluglinien, Fähre) ist wesentlich teurer.

Finanzen

Ein Bankkonto kann man direkt bei der Allied Irish Bank (AIB) kostenlos bekommen, das ist die Partnerbank der Hochschule. Geld abheben geht am billigsten mit der Postbank-Sparkarte mit VISAplus-Funktion (viermal im Kalenderjahr im Ausland kostenfrei) und mit der normalen ec-Karte (kostet sechs Mark Gebühren pro Abhebung). Dann geht man am besten zur Bank of Ireland und hebt 800 Pfund (=2000 Mark) ab, das ist das Maximum und somit am Gebührenfreundlichsten. Alles andere kostet viel mehr Geld.

Oder Geld in Deutschland kostenlos bei den Landeszentralbanken tauschen und dann mitnehmen, ich habe gehört, dass soll gehen. Geldwechseln bei Banken ist ziemlich teuer, für Geldwechsel in der Eurozone werden hohe gebühren verlangt.

Abschluss von Zusatzversicherungen

? hatte keine. Auslandskrankenversichert war ich durch meine private Krankenkasse.

Gefahren, vermeidbare Unannehmlichkeiten

Sonstiges

Ansonsten ist Dublin sehr teuer, was die Lebensunterhaltungskosten betrifft. ALDI hat zwar gerade hier aufgemacht, aber die Qualität der Waren ist nicht sehr gut. Alkohol kostet viel mehr als in Deutschland, eine Dose Guinness (mjamm) Draught z. B. £1.50. Modellbauläden gibt es nicht richtig, Pappen gibt es auch keine guten (an Finnpappe oder Braunpappe oder sowas ist hier gar nicht zu denken). Die Stadt ist sehr vielseitig, das Wetter überwiegend hervorragend (auch im Winter, keine endlosen Regentage wie in Aachen), die Leute sehr nett.


Hiermit stelle ich meinen Bericht dem Akademischen Auslandsamt zur Information interessierter Studentinnen und Studenten zur Verfügung. Ich bin bereit, ggfs. persönlich Auskunft über meinen Studienaufenthalt im Ausland zu erteilen.

Aachen, 2. Oktober 2000

Letzte Änderung/last update: 16.02.2002, <gustaf@koenige.org>